Identität: Malaika, was ist für dich Heimat ?

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Vater Kongo, Mutter Frankreich, Wohnort: schon immer Deutschland. Was antwortet man da auf die Frage: Was ist Heimat? Solch eine Frage lässt sich vermutlich nicht in einem Wort beantworten. Ist Heimat nicht schließlich viel mehr mehr als ein Land, eine Stadt …

Gibt es überhaupt noch eindeutig von einander abgrenzbare kulturelle Identitäten oder kann man sich tatsächlich nur auf eine „Kultur“ festlegen?

Malaika macht zurzeit eine Ausbildung zur Hebamme und lebt im schönen Marburg, kommt ursprünglich aus Mainz. Im Rahmen eines Studienprojekts habe ich mit ihr über kulturelle Identität gesprochen.

Was ist für dich Heimat?

Oh das ist ganz schwierig zu sagen. Das ist echt schwer weil… eigentlich bin ich ein Familienmensch und eigentlich war Heimat immer Urlaub in Frankreich. Da hab ich mich wohlgefühlt, da wollt ich immer hin. Das war für mich immer Heimat. Und jetzt muss ich sagen… Wo ich so nen richtigen Freundeskreis gehabt hab, oder immer noch habe, fühl ich mich hier auch schon heimatlich. Kongo ist für mich ja irgendwie auch Heimat aber anders. Also eher so dass ich mich da hingezogen fühle und ich das kennenlernen will. Ich will wissen was das ist aber es ist jetzt nicht so das ich irgendwie komplett sagen würde Heimat. Aber Frankreich schon. Das ist für mich Heimat.

Heimat nicht daran gebunden dass ich da lebe. Das ist eher so ein Gefühl, so ein Zuhause.

Ich hatte immer das Problem – ich wusste nicht so genau wo ich hingehöre. Hier bin ich schwarz, zu schwarz manchmal und als ich im Kongo war ich zu weis. Das war das erste mal wo ich mir gedacht habe: Wer bin ich eigentlich? Wo muss ich eigentlich hin? Und jetzt wo ich so älter werde, find ich, brauch ich mich da nicht unbedingt einzuordnen.

Beschäftigst du dich damit was für eine Identität du hast, wo du dich zuordnest oder ist das was Selbstverständliches für dich?

Hab ich mich schon mit beschäftigt. Jetzt weniger, die Zeit als ich aus dem Kongo wieder zurückgekommen bin. Da hat mich das richtig beschäftigt. Weil ich da erstmals gemerkt habe: Da gehört ich irgendwie auch nicht richtig dazu. Weil ich immer gedacht habe: Ja ich bin schwarz halt… Ich gehör zu den Schwarzen. Und jetzt wo ich dann da war und da gibt es halt so nen Wort was so nen bisschen beleidigend ist für Weise und wo die mich da auch so dann genannt haben. Hab ich dann auch gedacht „ja toll“ … Da bin ich jetzt auch nicht… Wo bin ich dann? Aber die letzte Zeit hab ich mich eigentlich gar nicht mehr so damit beschäftigt. Einfach akzeptiert …

Stört dich die Fremdzuschreibung von außen?

Hm kommt immer drauf an. Manchmal ist es mir egal, dann antworte ich einfach. Manchmal gebe ich ne dumme Antwort zurück wenn es mich einfach nervt. Wenn es der Dritte ist der mich fragt. Da denkt man irgendwann so „warum ist das denn jetzt wichtig?“ Was spielt das für ne Rolle? Ja und manchmal ist es auch ein bisschen so als ob man darauf bewertet wird. „Aha, okay, okay die MUSS ausländisch sein.“ Ich sag auch manchmal einfach ich bin Deutsch. Ich komm aus Mainz und wenn die Fragen wo denn genau sag ich halt Prezenheim. Es kommt halt immer drauf an wie die Laune ist von mir glaub ich…

Die haben einen Tunnelblick, gucken nicht über den Tellerrand und verstehen nicht wie man so unterschiedlich sein kann.

Also ich bin glaub ich nen Mischmasch von allem. Ich leg mich da auch gar nicht fest so richtig. Weis halt auch nicht so genau als was ich mich definieren soll. Warum soll ich mich dann festlegen ob ich jetzt eher deutsch bin… eher kongolesisch… eh Französisch. Wenn sich halt alles zu was Gutem vermischen lässt. Ich nehme halt von jedem das positive.Von allem bisschen und dann ist das gut.

Danke Malaika für deine Worte <3

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Ein Gedanke zu “Identität: Malaika, was ist für dich Heimat ?

  1. Was für ein schöner Blog! Danke für Deinen Blick und Euer Gespräch, das mich zum Nachdenken gebracht hat.

    Ich habe beim Reisen und „Wohnen woanders“ erlebt, dass es mir viel wichtiger ist Heimat zu erschaffen als sie zu haben. Ein Rezept und Zeit zu kochen, greifbar belebte Erinnerung, das Einladen von Menschen, die ich wertschätze, ist für mich der heimatliche Anker geworden, den ich überall auswerfen kann. Musik, Literatur, Gewohnheiten, die ich entwickelt habe. Heimat gesucht zu haben ist für mich nun als würde man die Luft anhalten und sich nach Sauerstoff umsehen. Panik vorprogrammiert. Aber man muss nur einfach atmen.
    Ich habe erfahren, dass das Gefühl, das wir mit „Heimat“ verbinden (angekommen sein, nicht in Frage gestellt werden, Vertrautes erleben) immer da ist, wenn ich sie mir nehme und anderen gebe. Die Irritierenden, Irritierten (ja aber wo kommen Sie uuuuuursprünglich her?!) tun nicht mehr weh, wenn man die Sinnlosigkeit dieser Frage begreift. Wichtig ist mir nicht, woher wir kommen. Sondern wo wir sind, was wir tun, ob wir einander Heimat sind.

    Viele Grüße aus dem Garten
    Maria

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